„Wer wird Millionär?“-Kandidatin will CBD: Günther Jauch hetzt gegen Cannabis

Guenther Jauch kiffen
Hintergrund: Screenshot "Wer wird Millionär", vorne rechts: Krombacher Pressefoto
Glaskunst, Vaporizer und alles rund ums Dabbing

Das hat gerade noch gefehlt! Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass deutsche Cannabisfreunde sich seit Jahrzehnten mit der mittelalterlichen Ideologie der CDU/CSU-Bagage herumschlagen müssen – nein, nun muss sich auch noch die graue Eminenz der Frage-Antwort-Spiele zum Thema Kiffen zu Wort melden. Zumal, welchen besseren Rahmen könnte man sich dafür vorstellen als eine Sendung der beliebten RTL-Quizshow „Wer wird Millionär“? So oder so ähnlich muss Moderator Günther Jauch sich das zumindest gedacht haben, als er die Marketing-Mitarbeiterin eines CBD-Unternehmens auf dem heißen Stuhl empfing.

Das irgendwie noch immer ein bisschen verruchte Cannabis-Thema zieht immer – klar, dass es nicht lange dauerte, bis sich die Nachrichtenredaktionen der Sache annahmen. Allerdings verzichteten sie darauf, selbst den Stift anzuspitzen, sondern bedienten sich bei „swyrl.tv“, einer Art Nachrichtenportal, das sich auf das Verfassen von Artikeln rund um das aktuelle TV-Geschehen spezialisiert hat. Heute findet man den nahezu wortgleichen Text auf vielen seriösen News-Seiten. Ärgerlich ist das vor allem deshalb, weil Cannabis-Konsumenten darin einmal mehr verunglimpft werden und Jauchs nicht gerade fachkundige Meinung einfach nur wiedergekäut wird, ohne zu hinterfragen.

„Um den Verstand gekifft“

Doch was war überhaupt geschehen? Als sich eine junge Kandidatin aus Nervositätsgründen nach ein paar Tropfen CBD-Öl sehnte, ging offenbar ein „Raunen durch das Publikum“ – oh, oh, hat da jemand etwa das böse C-Wort gesagt? Zu Unrecht, beruhigt der (unbekannte) „swyrl.tv“-Autor den Leser, denn „CBD steht zwar für Cannabidiol aus der Cannabis-Pflanze Hanf, doch stammt die junge Dame ganz offensichtlich nicht aus dem Kiffer-Milieu“. Offensichtlich, denn weder hatte sie eine Rasta-Frisur, noch kam sie ungewaschen oder zu spät zur Aufzeichnung. Nichtsdestotrotz verfinsterte sich Jauchs Mine daraufhin spürbar – „swyrl.tv“ weiß: „bei Cannabis versteht Günther Jauch keinen Spaß“. Die Erklärung dafür, warum das so ist, lieferte der 64-Jährige auch sogleich ab: „All diejenigen, die sagen, man solle Cannabis einfach legalisieren: Ich kenne nicht wenige, die sich um den Verstand gekifft haben.“

Leider verpasste die Kandidatin die Möglichkeit, Jauch und seiner verkürzenden Darstellung ordentlich Kontra zu geben, was angesichts der aufregenden Ausnahmesituation aber wohl nur allzu verständlich ist. Außer einem unglücklichen „Jedem das Seine“ konnte sie dem versierten Moderator leider nichts entgegensetzen. Doch was bewegte Jauch überhaupt zu dem ebenso medienwirksamen wie anekdotischen Vorstoß: fühlte er sich als ehemaliges Krombacher-Werbegesicht seinem alten Sponsor noch irgendwie verpflichtet oder lag es vielleicht doch eher daran, dass er als langjähriger RTL-Mitarbeiter bereits leidvolle Erfahrungen mit Hirnamputierten gemacht hat? Das Highway-Fazit lautet jedenfalls: dass der Konsum von Cannabis mehr Gehirnzellen vernichtet als RTL-Gucken ist stark anzuzweifeln und muss erst noch bewiesen werden.

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