Interview mit Ben Kraim von WeedFeed: so geht Cannabis im Social-Media-Zeitalter

Weedfeed Interview
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Ben Kraim betreibt einen der populärsten Social-Media-Seiten mit Cannabis-Bezug: WeedFeed. Selbst das bekannte US-Magazin Forbes berichtete bereits über den New Yorker mit syrischen Wurzeln. Wir sprachen mit Ben über die Bedeutung von Familie, Kreativität, die US-Legalisierung, erfolgreiche Kiffer und das Erfolgsrezept einer guten Social-Media-Seite mit Cannabis-Bezug.

Wie ist es dazu gekommen, dass du WeedFeed gegründet hast?

Ich habe WeedFeed gegründet, weil ich Gras liebe. Ich liebe es, kreativ zu sein, und ich fand, es gab einen ernsthaften Mangel an einzigartigem Cannabis-Content auf Instagram. Es gab nur Memes (die ich liebe), Leute, die fette Bongs rauchen oder so hyper-wellness-orientiertes Zeug. Ich hatte gerade mein Kreativ-Studio – Dumpling House Media – gegründet und wollte unsere eigenen Medienmarken aufbauen, während wir gleichzeitig für unsere Kunden in den Bereichen digitale Strategie, soziale Medien und Werbung arbeiten. Und so wurde mit der Unterstützung des weltbesten (und kleinsten) Kreativ-Teams schließlich WeedFeed geboren.

Und was ist dein Ziel mit WeedFeed? Wo siehst du das Projekt in ein paar Jahren?

Es gibt eine Million Ziele für WeedFeed. Wir wollen ein bekannter Name werden. Wir wollen Cannabis normalisieren und die nicht konsumierenden Menschen aufklären, dass es Millionen andere Menschen gibt, die einen ausgewogenen, funktionalen Lebensstil führen, zu dem zufällig auch das Kiffen gehört. Wir wollen sichere Räume für Cannabis-Liebhaber schaffen. Wir wollen mit Top-Talenten zusammenarbeiten, von bildenden Künstlern über Musiker bis hin zu Köchen und Schauspielern. Wir wollen Produkte von guter Qualität auf den Markt bringen, die das Leben einfacher und schöner machen. Wir wollen die Massen unterhalten und im Idealfall auch erziehen. Wir wollen ein Teil der Reise zur globalen Legalisierung sein. Wir wollen denjenigen helfen, die durch den beschissenen Krieg gegen Drogen, auch bekannt als systemischer Rassismus, verarscht wurden. Wir wollen keine Menschen mehr im Gefängnis für gewaltfreie Cannabis-Delikte sehen. Vor allem aber wollen wir die Welt ein wenig glücklicher machen.

Das sind hohe Ziele. Verdient ihr auch schon Geld mit WeedFeed?

Wir verkaufen Kunst, super hochwertige Kleidung, Accessoires und haben eine Menge weiterer Produkte in Arbeit. Wir akzeptieren auch, in sehr begrenztem Umfang, Sponsoring für unsere originellen Shows und unsere Events. An dieser Front sind wir aber nicht leicht zu überzeugen. Fast 90 Prozent aller Anfragen werden von uns abgelehnt, da wir in Integrität viel mehr Wert sehen als in einem schnellen Dollar.

Du kommst aus einer konservativen syrischen Familie. Was halten die von deiner Arbeit?

Inzwischen bin ich gesegnet, eine Familie zu haben, die meine Unternehmungen im Cannabisbereich unterstützt. Als ich noch ein Kind war, kam ihre konservative, gar ablehnende Einstellung zum Kiffen, wie bei den meisten Menschen, durch ihre Kultur und die damals allgegenwärtige Cannabis-Dämonisierung zustande. Als meine Eltern in meiner Highschool-Zeit zum ersten Mal von meinem Cannabiskonsum erfuhren, setzten sie es mit Heroin gleich und wollten mich am liebsten in eine Entzugsklinik schicken. Durch die Jahre, in denen ich sie mit Wissen überschüttet habe und auch einfach durch meine Taten gezeigt habe, dass ich kiffen und trotzdem meinen Scheiß auf die Reihe kriegen kann, haben sich ihre Ansichten zum Glück sehr verändert. Es gibt immer noch den gelegentlichen Kommentar hier und da, aber zum größten Teil unterstützen sie die Bewegung an sich, aber auch unsere Marke und die Vision dahinter. Man kann meine Mutter heute mit einem WeedFeed-Kapuzenpulli im örtlichen Supermarkt antreffen, was verdammt nochmal erstaunlich ist, wenn man ihre Ansichten von früher kennt.

Baby Yoda in der WeedFeed-Version

Ich kann dir sagen, dass meine Eltern nicht allzu glücklich über meine Entscheidung waren, für ein Cannabis-Magazin zu arbeiten. Und die sind eigentlich nicht einmal konservativ – im Gegenteil…

Ha! Das kann ich mir nur zu gut vorstellen. Mein Rat: mach immer alles ordentlich, und jedes Mal, wenn sie dir Komplimente für deine Leistungen machen, erinnere sie daran, dass du es unter dem Einfluss von Cannabis, gemacht hast.

Du hast auch einen Background hinsichtlich medizinischem Cannabiskonsum. Kannst du unseren Lesern erzählen, wie du ein Cannabispatient wurdest und wie es insgesamt für dich funktioniert?

Nein, ich war nie offizieller Cannabispatient. Ich habe einfach Gras kennen und schätzen gelernt, seine Vorteile für meine mentale Gesundheit erkannt und seitdem geht es mir einfach ziemlich gut. Ich bin niemand, der medizinische Behauptungen über Cannabis oder verschreibungspflichtige Medikamente aufstellt – jeder einzelne menschliche Körper ist anders, manche brauchen Pillen, manche brauchen Gras, manche brauchen beides und manche brauchen keines von beidem. Meine einzige Erkenntnis ist, dass man, wenn man mit Cannabis-Medizin experimentiert, mit einer extrem niedrigen Dosis beginnen sollte, eine Stunde warten und dann sehen sollte, wie man sich fühlt. Vielleicht irgendwo draußen in der Natur, am Strand, in einem idyllischen Park, auf jeden Fall irgendwo, wo die Sonne scheint. Es wäre doch eine Schande, wenn man den Gedanken an Gras mit einer schlechten ersten Erfahrung ruinieren würde, wenn es doch auch eigentlich eine positive Ergänzung hätte werden können.

Stimmt es, dass du vor den Meetings in deiner Ex-Agentur mit Joints gefüttert wurdest, um deine Kreativität zu steigern?

Jep, das ist nur zu wahr. Sie haben mir Joints gedreht und wir sind zusammen aufs Dach gegangen und ich habe geraucht. Und dann haben sie mich einfach nach meinen Ideen ausgefragt, was zu einigen cleveren Projekten geführt hat.

Würdest du dich als erfolgreichen Kiffer bezeichnen?

Ich mag ehrlich gesagt keines der beiden Wörter. Erfolgreich. Kiffer. Ich habe noch eine Menge Arbeit auf diesem Planeten zu erledigen, also werde ich mich wohl erst dann als erfolgreich betrachten, wenn ich tot bin. Kann ich meinen Scheiß erledigen, ein produktives Mitglied der Gesellschaft und ein guter Mensch sein und regelmäßig Gras rauchen? Zum Teufel, ja!

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Glaubst du, dass die Etablierung eines solchen Archetyps entscheidend für die globale Legalisierungsbewegung ist?

Ja. Menschen, die eine starke Anti-Cannabis-Haltung haben, kann man nicht beibringen, Gras zu mögen. Ihre Mauer ist bereits zu hoch und zu stark. Wir müssen ihnen den Einstieg erleichtern, indem wir Bildung als Unterhaltung tarnen und kleine positive Cannabis-Samen fallen lassen, bis es schließlich Klick macht.

Was kannst du Neulingen empfehlen, die ihre eigene 420-Social-Media-Seite starten wollen?

Sei originell. Sei konsequent. Probiere neue Dinge aus. Hab keine Angst, dich zu verändern. Behalte deine Integrität bei, setze dir Ziele und sei kein Arschloch.

Hast du einen Lieblings-Instagram-Account zum Thema Weed, abgesehen von deinem eigenen?

Ja! Ich mag zum Beispiel @p.u.s.s.y.w.e.e.d, @thecannabiscutie, @Bambashkart, @bangerooo, @Koala.puffss – aber das sind nur die, die mir gerade auf die Schnelle einfallen.

Was hältst du von der Ästhetik der Cannabisszene? Denkst du, dass sie insgesamt etwas cleaner, ja professioneller werden muss?

Ich glaube nicht, dass es die eine Ästhetik gibt, die die ganze „Cannabisszene“ definieren kann. Nach und nach werden die Leute kreativer und das ist etwas, das ich gerne sehe.

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Erwartest du eine baldige Legalisierung in den Staaten?

Ich rechne mit einer baldigen Legalisierung, aber eine Legalisierung allein reicht nicht aus. Es muss auch der richtige Weg in Bezug auf Gerechtigkeit, Vorschriften, Standards usw. eingeschlagen werden. Ich bin hoffnungsvoll, aber die Erfolgsbilanz von Politikern in den USA, die diese Gesetze umsetzen, ist nicht unbedingt die beste. Es kommt auch wirklich darauf an, wo man wohnt. Ich rauche im Grunde, wo ich will und wann ich will, und wenn ich durch Manhattan und Brooklyn laufe, bin ich da definitiv nicht der einzige, was natürlich ziemlich beruhigend ist. Wo allerdings vorrangig Menschen mit migrantischem Backgroud leben oder in den einkommensschwachen Vierteln, kann man das allerdings vermutlich nicht behaupten. Dort, wo die Polizei nach jedem kleinsten Vorwand sucht, um jemanden zu durchsuchen. Auch hier in New York.

Hast du eine Lieblings-Cannabissorte?

Ich bin heutzutage ziemlich skeptisch, was das Konzept der Sorten angeht, aber im Allgemeinen bevorzuge ich solche mit Zitrus-Terpenen, so wie Tangie, Tangerine Dream oder den Klassiker Lemon Haze. Ich liebe auch Green Crack – ich finde tatsächlich, dass es eine aufputschende Wirkung hat, sich sogar in gewisser Weise mit Adderall vergleichen lässt. Ich bin nach einem Green-Crack-Joint jedenfalls oft stundenlang hyperfokussiert.

Ben, wir danken dir für das gute Gespräch! 

Komm in die Gruppe ;)

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