Plakat-Posse: „Frisches Gras für alle!“ sorgt für Empörung

Wahlplakat der Grünen
Hanfsamen kaufen

Der Sturm der Entrüstung weht einmal mehr durch Deutschland. In Hanau sorgt ein Plakat der Grünen Jugend für die kommende Kommunalwahl für einigen Unmut. Das Wahlplakat bildet Cannabispflanzen ab und fordert unumwunden „Frisches Gras für alle!“ (siehe Bild). Doch nicht nur das: zu allem Überfluss hängt es auch noch in der Nähe eines Berufskollegs. „Sollen diese Kinder schon frühzeitig um den Konsum von Drogen beworben werden?“ – Mit dieser Formulierung bekundet SPD-Stadtverordnete Claudia Borowski ihr Missfallen und spricht gar von unerlaubter Drogen-Werbung. Die zeitgenössische SPD, wohl das opportunistischste und rückradloseste Sammelbecken für Polit-Verräter seit Gründung der Bundesrepublik, wittert eine Chance, im Wahlkampf zu punkten und versucht, das Kleinbürgertum in empörter Eintracht um sich zu scharen. Dass es aber eigentlich gar nicht wirklich um Kinder geht, sondern zum weit überwiegenden Teil um längst Volljährige (von gut 700 Schülern sind nur 100 unter 18), für die der wie auch immer geartete Umgang mit Cannabis seit Jahrzehnten zum Alltag gehören dürfte, scheint nicht weiter zu interessieren. Die Simpsons kommen einem in den Sinn: „Kann denn nicht wenigstens einer an die Kinder denken?“ – Doch, Frau Borowski kann. Bleibt die Frage, wie es bei ihr ansonsten mit dem Denken funktioniert. Um jetzt nicht zum hundertsten Mal die Vorteile der Legalisierung herunterzubeten, sei gesagt: Frau Brorowski mag sich der positive Zusammenhang zwischen Legalisierung und Prävention vielleicht noch nicht erschlossen haben, bei den meisten Schülern sieht es da Gottseidank wohl anders aus.  

Mit einer unglücklichen Formulierung springt Hanaus Bürger-Fraktionsvorsitzender Oliver Rehbein der ehemaligen Schulleiterin Borowski bei. Er bezeichnet die Plakatierung nahe des Kollegs als blanken Hohn für die vielen Schüler, die auf dem ersten Bildungsweg gescheitert waren und gerade dabei sind, ihre zweite Chance wahrzunehmen. Genau, die armen sind nämlich alle überhaupt erst wegen des Kiffens vom rechten Weg abgekommen. Ist es das, was sie eigentlich ausdrücken wollten, Herr Rehbein? Einstiegsdroge und so, ist klar, oder? Es offenbart sich hier mal wieder eine allzu simple Weltsicht, die auf die miefigen 60er-Jahre verweist. Das Ordnungsamt sieht die Sache mit der eingangs erwähnten Werbung für illegale Drogen übrigens deutlich entspannter: es obliege jedem Betrachter selbst, den Begriff „Gras“ mit Cannabis oder Haschisch in Verbindung zu bringen, deshalb werde ein Verbot nicht in Erwägung gezogen. Die Frage, warum denn ausgerechnet Cannabispflanzen abgebildet sind, wenn es doch gar nicht um das verbotene Gras geht, liegt aber schon nahe und stellt sich selbst cannabisfreundlichen Highway-Redakteuren. Dass das Amt bei der inhaltlichen Bewertung einen Interpretationsspielraum sieht, ist erfreulich und zumindest überraschend.

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